Begleitetes Fahren mit 17 (BF 17) – seit Januar 2008

Warum BF 17?

Während der praktischen Ausbildung fahren Fahrschüler/innen etwa 800 Kilometer. Dabei lernen sie viel, aber es fehlt ihnen an Erfahrung. Dies ist einer von mehreren Gründen, weshalb Fahranfänger/innen überdurchschnittlich oft in Unfälle verwickelt sind.

Welche Ziele hat BF 17?

Prinzipiell sollten alle Fahranfänger/innen nach bestandener Führerscheinprüfung nach betreut werden, um ihr Unfallrisiko zu mindern. BF 17 ist ein Modell der Nachbetreuung. In Begleitung versierter Fahrer/innen sollen die jungen Führerscheinbesitzer/innen, die dabei freilich schon voll verantwortliche Fahrer/innen sind, erst Erfahrungen sammeln.

Welche Führerscheinklassen lässt BF 17 zu?

BF 17 lässt nur den Erwerb der Führerscheinklassen B und BE zu.
Mit der Klasse B dürfen Kraftfahrzeuge bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht (zG) gefahren werden.

Anhängerregelung

- Anhänger mit zG* max. 750 kg immer erlaubt

- Anhänger mit zG* über 750 kg erlaubt, wenn zG* der Fahrzeugkombination max. 3.500 kg


Mit der Klasse BE dürfen auch größere Anhänger mitgenommen werden.

Wer kann an BF 17 teilnehmen?

Wer mindestens 16 ½ Jahre alt ist kann sich in jeder Fahrschule des Bundeslandes Baden-Württemberg zur Ausbildung anmelden.

Wie läuft die Ausbildung für BF 17?

Die Ausbildung richtet sich nach den gesetzlichen Bestimmungen und unterscheidet sich nicht von der für 18-jährige oder ältere Bewerber/innen.
Die theoretische Ausbildung umfasst mindestens 14 Doppelstunden zu 90 Minuten (davon 12 Doppelstunden für Grundstoff und 2 für klassenspezifischen Zusatzstoff).

Am Beginn der praktischen Ausbildung steht die Grundausbildung, deren zeitlicher Umfang sich nach dem Lernfortschritt des/der Schülers/in richtet. Sodann folgen die besonderen Ausbildungsfahrten: Mindestens
- 5 Fahrstunden auf Bundes- oder Landstraße,
- 4 Fahrstunden auf Autobahnen oder Kraftfahrtstraßen und
- 3 Fahrstunden bei Dunkelheit.

Wiederholungen zur Vertiefung der Fahraufgaben dienen der Prüfungsvorbereitung und bilden den Abschluss der Ausbildung.

Gibt es bei der Prüfung Besonderheiten?

Die Prüfung entspricht – wie die Ausbildung – den üblichen Anforderungen.
Die theoretische Prüfung darf frühestens 3 Monate, die praktische frühestens einen Monat vor dem 17. Geburtstag abgelegt werden.

Bekommt man danach den regulären Führerschein?

Nein! Nach bestandener Prüfung, frühestens aber am 17. Geburtstag, wird den BF-17-Aspiranten/innen eine Prüfungsbescheinigung ausgehändigt, die Nachweis der Fahrerlaubnis ist. Der reguläre Führerschein darf erst nach Vollendung des 18. Lebensjahres ausgestellt werden.

Gilt die Prüfungsbescheinigung auch im Ausland?

Nein, die Prüfungsbescheinigung gilt nur in Deutschland.

Welche Klassen sind eingeschlossen?

In der Klasse B sind die Klassen L und AM eingeschlossen. Dies gilt auch bei BF 17. Wenn der/die 17 Jährige ein Kleinkraftrad fährt, muss auch kein/e Begleiter/in mitfahren.

 

Wer darf begleiten?


Begleiten darf, wer folgende Voraussetzungen erfüllt:
- Mindestalter 30 Jahre alt,
- Führerschein Klasse B seit mindestens 5 Jahren
- maximal 3 Punkte im Verkehrszentralregister (Flensburg)
- Für die Begleitperson gilt die 0,5-Promille-Regelung.
Der/Die Begleiter/in muss in der Prüfungsbescheinigung namentlich eingetragen sein.

Können mehrere Begleitpersonen eingetragen werden?

Es ist zu empfehlen, dass zumindest zwei geeignete Begleitpersonen in die Prüfungsbescheinigung eingetragen sind. Damit wird eine größere Flexibilität erreicht.

Welche Aufgaben hat die Begleitperson?

Die Begleitperson soll dem/der jungen Fahrer/in ein vorwiegend zurückhaltender Beistand sein. Sie soll beratend zur Seite stehen und den/die Fahranfänger/in vor und während der Fahrt beraten und ihm/ihr Sicherheit vermitteln. Keinesfalls darf sich die Begleitperson als Fahrlehrer/in aufspielen.

Wo kann man sich informieren?

Die Verbandsfahrschulen bieten für Begleitpersonen Informationsabende an. Dabei werden die Begleitpersonen umfassend über ihre Aufgaben sowie über aktuelle Änderungen des Verkehrsrechts informiert. Außerdem werden ihnen die wichtigsten Merkmale modernen Fahrstils vermittelt.

Wann beginnt die Probezeit?

Die Probezeit beginnt mit der Aushändigung der Prüfungsbescheinigung. Sie dauert zwei Jahre.
Verstöße der jungen Fahrer/innen während der Probezeit gegen Verkehrsvorschriften und wird deshalb ein Bußgeld von 40 € oder mehr oder eine Geldstrafe gegen ihn/sie verhängt, verlängert sich die Probezeit um zwei Jahre.

Wann endet die Phase der Begleitung?

Sobald der/die junge Fahrer/in 18 Jahre alt ist, darf er/sie alleine fahren. Dies gilt auch, wenn der Führerschein noch nicht ausgestellt wurde.
Die Phase der Begleitung kann sinnvoll mit einem Sicherheitstraining abgeschlossen werden. Dabei erfährt der/die junge Fahrer/in, dass das Fahrzeug im physikalischen Grenzbereich kaum noch beherrschbar ist und deshalb die Vermeidung kritischer Situationen den/die gute/n Fahrer/in ausmacht.
Die Vorbildfunktion der Begleiter/in ist besonders wirkungsvoll, wenn sie zusammen mit den/der „Schutzbefohlenen“ das Sicherheitstraining besuchen. So zeigen sie ihnen, dass auch erfahrene Fahrer/innen immer wieder gefordert sind, ihre Fahrfähigkeiten zu verbessern.

Welche Hilfen für junge Fahrer/innen gibt es außerdem?

Die Probleme der jungen Fahrer/innen haben ihre Ursachen nicht nur in der geringen Erfahrung, sondern auch in den typischen Verhaltensmustern junger Menschen. Dazu gehören insbesondere erhöhte Risikobereitschaft und die Lust, sich selbst zu erproben. Die freiwilligen Aufbauseminare für Fahranfänger in der Probezeit (FSF) sind eine wirkungsvolle Hilfe, diese Gefahren zu verringern. Die Teilnahme ist freiwillig. Als „ Belohnung“ winkt eine Verkürzung der Probezeit um ein Jahr.

Übernehmen Sie Verantwortung!

Bieten Sie als Begleiter/in Ihrer Tochter, Ihrem Sohn, Enkel, Neffen oder Bekannten die Möglichkeit, in der ersten Zeit nach der Fahrausbildung bei reduziertem Risiko Erfahrung zu sammeln. Lassen Sie Ihren Schützling von Ihrem Können profitieren.

Seien Sie für ihn/sie ein/e aktiver/aktive Pate/in auf seinem/ihrem nicht immer leichten Weg zum/zur gereiften Fahrer/in.